(Deutsch) «Gehry-Building», Novartis Campus, Basel – eine komplexe Seilschaft für das Planungsteam

Im Rahmen eines städtebaulichen Masterplanes von Prof. Vittorio Magnago Lampugniani für den Novartis Campus wurde Frank O. Gehry, Gehry Partners LLP, Los Angeles beauftragt, ein Bürogebäude zu entwerfen.  Die Realisierung erfolgte über die Planergemeinschaft mit Nissen & Wentzlaff: Executive Architect und Generalplaner, Projektmanagement, Begleitung Bauprojekt, Baueingabe, Ausführungsplanung, Kostenermittlung, Terminplanung, Ausschreibung, Bauleitung, Kostenkontrolle. Im Interview wird die Zusammenarbeit in der Planung und Realisierung durch Frank O. Gehry  und Nissen & Wentzlaff aufgezeigt.

blog.crb: Wie wurde der Planungsprozess beim Gehry Gebäude auf dem Novartis Campus organisiert?

Wentzlaff: Die Arbeitsgemeinschaft ANW (Arcoplan/ Nissen & Wentzlaff) hatte den Auftrag als Generalplaner. Vorneweg war klar, dass aufgrund der räumlichen Komplexität das 3d Modell eines der wichtigstes Kommunikationsmittel zwischen dem Architekturbüro F.O.Gehry in Los Angeles, ANW in Basel und zahlreichen weiteren Planungs- und Konstruktionspartnern aus den verschiedensten Ländern darstellte. Dieses Vorgehen  setzte jedoch voraus, dass nebst den Fachplanern auch viele  ausführende Unternehmer über 3d Kenntnisse verfügen mussten. Nur so konnte der Informationsfluss vom Entwurf über die Ausführungsplanung bis zur Realisierung  durchgängig gewährleistet bleiben. 

blog.crb: Welche Erfahrungen beim Planen mit BIM waren für Sie ausschlaggebend?

Wir haben versucht, bereits in den Leistungsverzeichnissen die Spielregeln für das BIM ausführlich zu beschreiben und so die Unternehmer vertraglich in den Ablauf der 3D Planung und Planprüfung einzubinden. In der Realisierungsphase stellte sich jedoch heraus, dass nicht alle  Leistungsanbieter das Versprochene in ausreichender Qualität  liefern konnten. Beim Bau des Gehry Gebäudes wurde in einer Art «Fast Track» System geplant und gebaut. Das bedeutet, dass einzelne Bauteile bereits in der Fertigung waren, während andere noch geplant oder sogar entworfen wurden. Für die Koordination von räumlich komplexen Bauteilen, die sich teilweise in verschiedenen Planungsstadien befanden,  mit einem Team von über 20 Fachplanern aus verschiedenen Ländern und Erdteilen ist BIM ein ausgezeichnetes Hilfsmittel. Wichtig ist jedoch, dass die verschiedenen Aspekte der Ausführungs- und der Kostenplanung so früh wie möglich ins Projekt einfliessen, damit  grössere Änderungen und Korrekturen in späteren Phasen  vermieden werden können.

 blog.crb: Wie wurden die Verträge aufgesetzt. Genügte der SIA Planervertrag für dieses komplexe Bauvorhaben?

Wir haben die Leistungsgliederung des SIA Planervertrags als Grundlage verwendet, jedoch mit projektspezifischen Leistungen ergänzt. Im den Verträgen wurde beispielsweise zusätzlich definiert, wie unser Büro mit 3D-Modellen umgeht. Von den Vertragspartnern haben wir verlangt, dass sie sich an diese Sprachregelungen halten.  Bei den Vertragsverhältnissen mit unseren Subplanern haben wir zwischen «passiven» und «aktiven» 3D-Kenntnissen unterschieden. Unter «passiven» 3D-Kenntnissen verstehen wir, dass der Beteiligte in der Lage ist, ein 3D-Modell zu lesen und zu interpretieren; «aktiven» 3D-Kenntnisse hingegen setzen voraus, dass der Benützer seinen Teil des Modells bearbeiten und weiterentwickeln kann. Unsere Arbeitsgemeinschaft  als Generalplaner war dem Bauherrn gegenüber ausser für den Entwurf  für alle Engineering-Leistungen  verantwortlich. Natürlich haben wir  in den Verträgen mit unseren Planungspartnern festgelegt, wer seine Leistung wann zu erbringen hat. Der anfangs beschriebene Planungsprozess war jedoch so komplex und verflochten, dass alle von einander abhängig waren, ähnlich einer Seilschaft bei einer schwierigen Bergtour. Termin und Kostenziele waren für das ganze Team klar gesetzt und wenn ein Teammitglied die notwendigen Leistungen nicht bringen konnte, mussten die anderen das Manko kompensieren. Dies galt insbesondere auch für die Fähigkeit, aktiv im 3D-Datenraum zu agieren und zu kommunizieren.  Bei einem zukünftigen Projekt dieser Art würden wir zu Beginn, bei der Vertragsgestaltung, noch hartnäckiger auf den erforderlichen 3D-Kenntnissen beharren.

blog.crb: Wie könnten man bei ähnlich komplexen Projekten Vertragsverhältnisse  gestalten, die das Planerhonorar teilweise vom Projekterfolg abhängig machen?

Dies hängt stark von der Projektkonstellation ab.  Manchmal sind die Ziele einer Planung zu Beginn nur grob definiert, im anderen Fall ist das Ziel klar, die Risiken auf dem Weg zur Zielerfüllung jedoch nur schwer kalkulierbar. In beiden Fällen werden sich die Parteinen zu Beginn der Zusammenarbeit kaum auf ein endgültiges Erfolgshonorar einigen können. Eine Möglichkeit wären hier gestaffelte Verträge, die mit der fortschreitenden Projektierungsarbeit zu vorher festgelegten Stichdaten mit Leistungsfeststellung gemeinsam präzisiert werden. Manche Bauherren wären sicher auch bereit, unter diesen Voraussetzungen die Planer am Erfolg eines Projektes zu beteiligen. Gerade bei sogenannten Bonus-Malus-Modellen muss man jedoch darauf achten, dass die fachliche Neutralität des Planers nicht von wirtschaftlichen Anreizen «überstimmt» wird. Im Vordergrund muss immer die ingenieurtechnisch beste Lösung unter Berücksichtigung aller Aspekte, wie Kosten, Termine und Gestaltung stehen.

Daniel Wentzlaff Daniel Wentzlaff ist Architekt , Mitinhaber und Geschäftsführer von Nissen & Wentzlaff Architekten in Basel. Das rund 25-köpfige Büro hat in den vergangen Jahren unter anderem als Generalplaner beim Bau des Frank O. Gehry Gebäudes auf dem Novartis Campus mitgewirkt. In Basel führte blog.crb.ch ein Gespräch im Zusammenhang mit rechtlichen Rahmbedingungen bei komplexen Projekten mit einer grösseren Anzahl an Beteiligten.

Leave a Reply