Das Abenteuer Datenmodellierung
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Auf internationaler Ebene hat sich die Initiative buildingSMART in verschiedenen Ausprägungen und Zielsetzungen etabliert.
Seit diesem Frühjahr begrüssen wir in der Schweiz diese Bewegung mit
buildingSMART Schweiz. Im Vordergrund steht das Ziel, dieses Thema – einem Modell “Schweiz” folgend – durch eine offene Diskussion gemeinsam nach vorne zu bringen.
Ein erste Anzahl Partner der Schweizer Bauindustrie unterstützen diese Bewegung, so auch CRB. Anlässlich der Informationsveranstaltung vom 16. September 2009 hat ein Gespräch mit Prof. Ludger Hovestadt zur Zielsetzung von buildingSMART stattgefunden.
Prof. Dr. Ludger Hovestadt zu buildingSMART in der Schweiz
Lassen Sie mich mit diesem Text eine Wegleitung für den Start des wichtigen Projekts buildingSMART Schweiz formulieren. Zu Recht beklagen wir den grossen Arbeitsaufwand, der entsteht, wenn die vielen Zeichnungen, Konstruktionen, Beschreibungen und Rechnungen für ein Gebäude unabhängig voneinander im Computer erzeugt werden sollen. Eine Vielzahl an Redundanzen führt zu Unstimmigkeiten und Fehlern, besonders bei den vielen Änderungen, die ein Gebäude im Verlaufe des Entwurfs erfährt. Die Vorstellung eines zentralen Datenmodells, mit dem sowohl Geometrie als auch Funktionalität bzw. Quantitäten und Qualitäten gleichermassen modelliert werden könnte, ist daher verlockend. Das Versprechen dieser Vorstellung legt nahe, dass die vielen an einem Bauprozess beteiligten Personen mit ihren unterschiedlichen Interessen und Werkzeugen wie auf einer virtuellen Baustelle an einem gemeinsamen Datenmodell arbeiten könnten. Jede Information müsste an ihrem Ort liegen und eindeutig gefunden werden können. Jede Änderung müsste sofort mit den anderen Daten abgeglichen werden.
Es ist richtig, dass die Technologie für solche Modelle seit längerem verfügbar ist, heute sogar auf breiter Basis und in relativ weit entwickelter Weise. Seit mindestens 20 Jahren sprechen wir von diesen Möglichkeiten und Aussichten. Ich selber habe jedoch mit der Forschung an solchen Modellen schon 1994 aufgehört. Und 20 Jahre, das sind eine Ewigkeit in der Informationstechnologie, die überhaupt gerade erst einmal 50 Jahre alt ist. Google ist beispielsweise eben erst 10 Jahre alt geworden!
Lassen Sie mich drei Gedanken formulieren, warum das Problem der Gebäudeinformationsmodelle nicht so einfach ist, wie man vielleicht anfänglich denken mag. Zum einen ist es – trotz aller Pragmatik – eigentlich nicht zulässig, aus der Analyse bekannter Gebäude ein Klassifikationssystem für neue Gebäude entwickeln zu wollen. Die neuen Gebäude können zwar von den alten Bauten “lernen”, die eigentliche Arbeit von Architekten und Planern besteht  jedoch darin, auf neue und jeweils zeitbezogene Weise Lösungen und Ausdrucksformen zu entwickeln. Ein Problem ist, dass die Entwickler der Klassifikationen – aus Angst vor Nichtgebrauch oder Missbrauch ihrer Angebote – die enthaltenen Modelle immer weiter detaillieren und immer komplexer vernetzen, während die Nutzer der Modelle sich mit deren zunehmendem Grad an Kompliziertheit und Umfang in der aktuellen Praxis immer schlechter zurechtfinden. Der vielleicht wichtigste Gedanke nun allerdings zuletzt: Die Menge an Daten wächst so rasant, dass unsere Chancen, sie über Ordnungssysteme in den Griff zu bekommen, gelinde gesagt als sehr gering einzuschätzen sind.
Genau hier liegt nun, so glaube ich, eine versöhnliche Perspektive für Architekten wie für Planer hinsichtlich dem Abenteuer “Datenmodellierung”. Denken wir beispielsweise an abstrakte Werkzeuge wie die Markov-Ketten und wie beispielsweise die Firma Google diese einzusetzen weiss. Um eine Orientierung in der Datenwelt zu bekommen, ist es gar nicht nötig, so zeigt uns Google, dass wir alles detailliert kennen und einheitlich ordnen können. Vielmehr ist es eine Frage der kontinuierlichen Phantasie, sich in den Datenmodellen zu bewegen und Methoden dafür zu entwickeln. Dass die Modelle selbst dabei ihre Konsistenz nicht verlieren, das wird – nicht anders als jemals zuvor in der Geschichte der Architektur – wieder zu einer Frage der individuellen Abstraktionsfähigkeit.
In diese Richtung haben wir mit CRB-Online einen ersten Schritt gemacht. Als Web-2.0-System wird der Schweizer Bauwirtschaft ein Katalog von rund 1′000′000 Einträgen zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig stehen alle diese Einträge zur offenen Diskussion. Es ist mit diesem System möglich, schnell, pragmatisch und konkurrierend jede Art von Gliederung zu entwickeln – und zwar deswegen, weil CRB nicht mehr deklariert, sondern nur noch moderiert. Auf diese Weise schafft es CRB, trotz den vielfältigen Herausforderungen den Überblick zu behalten und für die konkrete Praxis der Architekten wertvolle Hilfestellungen zu leisten.
Willkommen, buildingSMART, im Abenteuer weltweiter Datenmodelle!
