Zu wenig Platz für Architekturstudenten

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ETHZ prüft strengere Aufnahmekriterien – Lösungen nicht vor nächstem Frühling zu erwarten
Am Departement Architektur der ETH Zürich ist der Platz knapp, da immer mehr Personen studieren. Zudem fehlt es an Professoren. Um der Probleme Herr zu werden, plant die Hochschule strengere Aufnahmekriterien für den Master-Abschluss.

Das Departement Architektur an der ETH Zürich droht aus allen Nähten zu platzen, darin sind sich Studierende und Departementsleitung einig. Das Departement kämpft gegenwärtig mit stark ansteigenden Studierendenzahlen, weil nach dem Gymnasium immer mehr junge Menschen ein Architekturstudium an der ETH absolvieren möchten. Zusätzlich wechseln vermehrt Bachelor-Studierende von Schweizer Fachhochschulen, Mobilitätsstudierende und Studierende von ausländischen Hochschulen an das Departement, um ihren Master an der ETH Zürich zu absolvieren. In einigen Master-Vorlesungen soll die Zahl ausländischer Studierender bereits gegen fünfzig Prozent betragen, hört man von Studierenden.

Kritik wird ernst genommen
Tatsächlich seien mehr Studierende eingetreten als erwartet, «die Situation ist aber überschaubar», relativiert Marc Angélil, Vorsteher des Departements Architektur der ETH Zürich. Eine Architekturstudentin, die anonym bleiben will, kritisiert dagegen, die Probleme lägen tiefer. Mit der Umstellung auf die Bologna-Reform vor fünf Jahren sei das Studium um ein Semester verlängert worden, weshalb zusätzlich zu den neuen auch mehr bisherige Studierende an der ETH Zeit verbrächten. Die Probleme seien voraussehbar gewesen und hätten in der Planung besser berücksichtigt werden müssen. «Wir Studierenden haben lange viel Geduld gezeigt. Die bisherige Kommunikation mit der Hochschule hat aber leider nicht zu nennenswerten Verbesserungen geführt», präzisiert die Studentin. Mit dieser Kritik stehe sie keineswegs allein da. Vielmehr störe sich der überwiegende Teil der Studentenschaft daran. Der Fachverein der Architekturstudierenden, Architektura, zeigt Verständnis für die Departementsleitung. «Die Umstellung benötigt viel Zeit und eine durchdachte Organisation. Es mangelt wohl auch an flüssigen Mitteln, deshalb sind dem Departement in manchen Bereichen die Hände gebunden», erklärt Architektura-Präsidentin Manuela Häfliger. Sie wisse aber, dass die Vorsteher alles daransetzten, die Problem zu lösen.

Die Kritik der Studierenden nimmt Departementsvorsteher Marc Angélil durchaus ernst. «Wir nehmen das nicht auf die leichte Schulter. Aber Studierende neigen dazu, die Dinge aus ihrer Perspektive zu betrachten.» Die Studentin hält dennoch an ihren Beanstandungen der momentanen Situation fest. «Es geht darum, dass das Departement für die vorhersehbare Entwicklung der steigenden Studentenzahlen nicht früh genug die Rahmenbedingungen neu festgelegt hat.» Dadurch bestehe zurzeit ein Betreuungsproblem. Die Zusammenarbeit sei weniger individuell, weil zu wenige Professoren engagiert seien. Zudem würden zurzeit zu wenig Vertiefungsfächer angeboten – die Studierenden müssten für ihren Abschluss aber genügend Punkte sammeln. Wer ausreichend Credits erhalten wolle, entscheide sich für jene Vorlesung, in der Plätze übrig blieben. Eine echte Auswahl und Profilfärbung falle dadurch dahin. Vorsteher Marc Angélil beruhigt: Bereits auf das Frühjahrssemester 2010 habe das Departement mit Unterstützung der Rektorin mehr Assistierende und Hilfsassistierende eingestellt, das Vertiefungsfächerangebot wurde erhöht. Weiter laufen fünf Bewerbungsverfahren für Professorenstellen. Einige von diesen Dozenten sollen laut Angélil ab 2010 unterrichten. «Die Professoren bleiben nicht nur zwei oder drei, sondern zehn Jahre und mehr an der ETH», erläutert er. Deshalb sei es wichtig, sich genügend Zeit zu nehmen und die richtigen Fachvertreter in Lehre und Forschung auszuwählen. Das sei auch der Grund dafür, weshalb das Auswahlverfahren verhältnismässig lange dauere.

Sind einmal genügend Dozierende vorhanden, verschwinden die Probleme bei den Architekten aber noch nicht. Wegen der vielen Studierenden ist es in den Vorlesungsräumen nämlich eng, und es komme immer wieder dazu, dass jemand selbst keinen Stehplatz mehr finde, sagt die Studentin. Tatsächlich sei mit der Umstellung auf Bologna die Organisation komplexer geworden. «Wir müssen lernen, flexibel zu sein», kontert Angélil. Für ihn hat Priorität, dass für die Studenten genügend persönliche Arbeitsplätze existieren, und dies sei der Fall. Zudem sei ein neues Gebäude auf dem Hönggerberg in Planung, das 2013 eröffnet werden solle. Bis dahin wolle man versuchen, jeweils die meistbesuchten Vorlesungen in die grössten Räume zu verlegen. Die Studentin und auch der Fachverein Architektura geben sich damit noch nicht zufrieden. Sie bemängeln, die Qualität des Studiums sinke wegen der Probleme. Dessen ist sich auch Angélil bewusst. Seiner Meinung nach hat die Unterrichtsqualität «noch nicht» gelitten.

Selektion fürs Master-Studium
Über allfällige Lösungen sind sich Studierende und Departementsleitung einig: Eine Möglichkeit wäre, die Aufnahmebedingungen zu verschärfen. Das ist bereits geplant. Ab 2010 muss eine Person, die keinen ETH-Bachelor mitbringt und einen Master in Architektur an der ETH Zürich absolvieren will, eine Bewerbung einreichen. Dieses Portfolio wird dann laut Angélil intern individuell geprüft. Bei der Selektion würden einheitliche Qualitätskriterien angewandt. Dieses strengere Verfahren sei absolut legitim, «denn wir wollen nur die besten Studierenden». Diskriminierend sei das in keiner Art und Weise, jede andere Hochschule kenne das Prozedere ebenfalls. «In diesem System sollen nur die Bestqualifizierten gefördert werden», merkt Angélil an.

Johanna Wedl, NZZ

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