Hotel: klevere Investoren schaffen durch gute Architektur Mehrwerte

“Die Baukosten des Dolder Grand sind nicht hoch”

dies der Titel in der NZZ zu einem einem prominenten Stück Architektur, einem Um- und Neubau inmitten der Stadt Zürich. Kosten, Voraussichtlich 44o Millionen Franken. Im Interview erklärt Devisenhändler und Investor Urs E. Schwarzenbach, weshalb er die Baukosten dennoch als tief erachtet – und weshalb er kaum je Interviews gibt.

Braucht dieses Zürich nun das «Dolder Grand»?

In Paris gibt es ein Dutzend Häuser, in denen eine anspruchsvolle Kundschaft absteigen kann. In Zürich gibt es nur das «Baur au Lac» – und bald das «Dolder Grand». Unser Hotel entspricht einem Bedürfnis, wer es sich leisten kann, wird bei uns wohnen. Ein weiterer Betrieb wie das «Dolder Grand» wäre dann allerdings zu viel.

Im Bankensektor kriselt es, die Wirtschaft scheint sich abzukühlen – ein schlechter Zeitpunkt, um ein Luxushotel zu eröffnen?

Ich weiss nicht, wie die Wirtschaftsentwicklung unseren Geschäftsgang beeinflusst. Ich bin aber ohnehin kein Pessimist, was den Gang der Weltwirtschaft betrifft. Die USA haben ökonomisch gesehen an Bedeutung verloren. Die Impulse werden in nächster Zeit aus Europa kommen und danach aus China sowie aus Indien.

Architekt sei einer Ihrer Traumberufe, stand einst in einem Magazin zu lesen.

Das stimmt nicht. Ich sehe mich als verkappten Baumeister. Wenn ich das Talent von Le Corbusier oder von Norman Foster gehabt hätte, wäre Architekt vielleicht ein Wunschberuf gewesen. In meiner Familie gibt es auch viele Künstler und Kunsthandwerker, und ich habe in meiner Jugend viel gemalt. Doch merkte ich bald, dass ich kein Picasso bin. Also suchte ich mir einen lukrativeren Job.

Einen sehr lukrativen Job, in dem Sie ein grosses Vermögen erworben haben.

Ja. Und mit diesem Geld kann ich nun meine Kreativität ausleben. Man soll Geld verdienen, um etwas damit zu machen – und nicht, um es immer höher aufzutürmen. Ich baue seit 35 Jahren, zuerst ein Haus für meine Familie in Küsnacht und jetzt das «Dolder Grand», mein bis anhin grösstes Vorhaben. Ich liebe das Bauen, es ist kreativ, und am Ende sieht man ein Resultat. Im Devisenhandel hingegen geht es nur um Zahlen. Und glauben Sie mir: Zahlen und Kontostände am Bildschirm zu studieren, gibt mir keinen Kick.

Wie teilen Sie Ihre Arbeitszeit zwischen Devisengeschäften und Bauprojekten auf?

Ich bin zu hundert Prozent Devisenhändler, und dies seit vierzig Jahren. In meinem Beruf muss man aber nicht die ganze Zeit vor dem Bildschirm sitzen, sondern zur richtigen Zeit die richtigen Entscheidungen treffen. Bei meinen Bauprojekten liegt die Verantwortung für das Tagesgeschäft zudem bei meinen Mitarbeitern.

Trotzdem sind Sie sehr gut über das «Dolder»-Umbauprojekt informiert.

Ich weiss über jedes Detail Bescheid.

Sie kauften das Dolder-Grand-Hotel im Jahr 2001. Was reizte Sie damals daran?

Gereizt hat mich anfangs nur der Preis. Als ich die Aktienmehrheit übernahm, war das Hotel günstig, weil grosse Renovationen bevorstanden. Die langjährige Besitzerfamilie hatte zwar bereits drei Umbauprojekte in der Schublade liegen. Nach einem Todesfall wollte aber niemand von den verbliebenen Eigentümern die Risiken einer Renovation auf sich nehmen.

“Ich weiss über jedes Detail Bescheid”

Wie lief die Planung für den Umbau ab?

Ich ging mit dem Projekt, das mir am besten gefiel, zur Stadt Zürich. Damals war Stadtpräsident Elmar Ledergerber noch Vorsteher des Hochbaudepartements. Nachdem wir das Projekt besprochen hatten, sagte mir Ledergerber, dass ich doch ein Fünfsternhaus bauen wolle. Ich bejahte – und er fügte an, bei meinem Umbauprojekt handle es sich aber nicht gerade um Fünfsternarchitektur. Er wollte einen internationalen Architekturwettbewerb.

Weshalb kam es nicht dazu?

Ein Wettbewerb kam für mich nicht in Frage, weil mir das Verfahren zu lange gedauert hätte. Damals baute ich gerade mit Norman Foster die Chesa Futura in St. Moritz. Also sagte ich Herrn Ledergerber, ich könne vielleicht Foster als Architekten gewinnen. Wenn mir das gelinge, antwortete Elmar Ledergerber, sei ein Architekturwettbewerb nicht nötig. Wenig später stieg ich mit Foster in einen Helikopter. Als er sah, wie das «Dolder» über der Stadt aus der Nebeldecke ragte, war er beeindruckt. Und als er bemerkte, dass das Hotel eine eigene Bergbahn hat, lächelte er – und Norman Foster ist kein Mann, der rasch lächelt.

Und Foster akzeptierte den Auftrag.

Ja, und dies, obwohl er noch nie ein Hotel gebaut hatte. Ich sagte ihm anfänglich, der Umbau dürfe nicht mehr als 150 bis 180 Millionen Franken kosten. Mir war aber schon damals bewusst, dass dieser Betrag nicht reichen wird. Foster zeichnete darauf die phantastischen, geschwungenen neuen Hotelflügel. Allerdings bedeuteten die runden Formen auch eine Verteuerung der Baukosten – so ist zum Beispiel für jedes Zimmer ein eigenes Interieur nötig. Nach einer ersten detaillierten Berechnung sagte man uns, das Projekt werde wohl 250 bis 280 Millionen Franken kosten.

Nun werden die Investitionen voraussichtlich 440 Millionen Franken betragen. Die stetig steigenden Baukosten sorgten für einige Schlagzeilen.

Die anfangs gemachten Hochrechnungen waren nicht genau. Ich muss aber betonen, dass die Baukosten nicht hoch sind, wenn man sie auf die Anzahl Kubikmeter umrechnet, die wir hier oben realisiert haben. Die Nutzfläche des Hotels liegt bei 40 000 Quadratmetern, die Baukosten bei 440 Millionen Franken. Das macht 11 000 Franken pro Quadratmeter – der Bau einer Luxusvilla käme viel teurer. Hätten wir nur 20 oder 30 Millionen Franken ins «Dolder» investiert, wäre nur eine Pinselrenovation möglich gewesen. Doch so lockt man keine Gäste an.

Laut Gerüchten wurde das Projekt so viel teurer, weil Sie detaillierte Änderungswünsche angebracht haben.

Das stimmt nicht. Wir haben das Projekt nicht etwa im Laufe der Planung vergoldet. Ich bin bei den Investitionen gar eher auf die Bremse getreten. Allerdings legte ich Wert auf Qualität bei den Materialien und den Handwerksarbeiten.

Wer bezahlt den Umbau?

Bis jetzt ist das Ganze voll und ganz meine eigene Investition. Inzwischen gehören mir über 90 Prozent der «Dolder»-Aktien. Ich stehe aber in Verhandlungen mit Banken.

Warum haben die Banken nicht mitgemacht?

Die Banken schauen das «Dolder Grand» als Hotel an, nicht als Immobilie. Dann sagen sie mir, der entsprechende Ertragswert liege nicht bei 400 oder 440 Millionen Franken, sondern eher bei 300 Millionen. Und weil sie die Hotelbranche als risikoreich erachten, verlangen sie auch einen höheren Zinssatz. Daran habe ich kein Interesse.

Allerdings kritisieren Experten, dass das neue «Dolder Grand» sich aufgrund der hohen Kosten nicht rechnen wird. Was meinen Sie dazu?

Wer das sagt, rechnet eben anders als ich. Für mich ist das «Dolder» kein Hotel, sondern eine aussergewöhnliche Immobilie. So gut, wie wir hier gebaut haben, muss man dieses Haus nicht in 20 Jahren auf null abschreiben, sondern höchstens den normalen Unterhalt machen.

Ist es richtig, dass Ihnen bereits jemand das neue Hotel abkaufen wollte?

Ja. Ich würde bereits jetzt mehr für das «Dolder» erhalten, als ich hineingesteckt habe.

Die Zusammensetzung des Verwaltungsrats wurde mit Erstaunen wahrgenommen. Branchenkenner hatten erwartet, dass ein Branchenexperte einer grossen Hotelgruppe darin vertreten sein würde.

Ich habe kein Interesse daran, mit einer internationalen Kette zusammenzuarbeiten. Wenn das Produkt stimmt, kommen die Leute – ob ich eine Topkapazität im Verwaltungsrat habe oder nicht.

Sie gelten als medienscheu. Zu Recht?

Ich habe die Medien bis jetzt nie gebraucht, denn ich verwalte nur mein eigenes Vermögen, keine Kundengelder. Also muss ich nicht an die Öffentlichkeit treten, um Kunden oder Shareholder mit meinen Erfolgen zu beeindrucken. Wenn ich gewusst hätte, dass der Umbau des «Dolder» zu einem solchen öffentlichen Interesse führt, hätte ich das Ganze vielleicht nicht gemacht. Nun gut, vielleicht hätte ich es trotzdem gemacht, aber dennoch: Die Medien sind für mich immer wieder ein Ärgernis. Viele Journalisten scheinen zu denken, das «Dolder» gehöre ihnen und nicht mir.

Die Bevölkerung ist nun einmal enorm gespannt darauf, was hier oben entsteht.

Das ist verständlich. Und wir wünschen uns, dass die Zürcherinnen und Zürcher kommen und unsere Räume beleben. Das alte «Dolder» war nicht mehr das Hotel der Zürcher. Das soll sich wieder ändern. Wir möchten das «Dolder Grand» in die Stadt integrieren. Niemand soll denken, es habe hier oben nur Platz für Superreiche.

Wenn Sie es noch einmal machen könnten, mit all den Kosten und Verzögerungen: Würden Sie das «Dolder» noch immer kaufen und umbauen?

Eindeutig ja. Ich hatte zwar zeitweise meine Bedenken, aber es macht Spass und ist schön geworden. Noch schöner, als ich gehofft hatte.

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