Unternehmenskultur: Neuer MAS-Lehrgang zu Baukompetenz an der ETHZ

Unter “Baukompetenz” wird in erster Linie die gesamthafte, vernetzte und spartenübergreifende Leistung des Planers verstanden, die Ziele und die Bedürfnisse des Auftraggebers umzusetzen. Oft wird die Kompetenz des Planers dabei jedoch mit der Projektarbeit gleichgesetzt.

Begriffe wie Akquisition, Marketing und strategische Organisation des Planungsbüros werden bei Architekten und Ingenieure dagegen nur selten in diesem Zusammenhang thematisiert oder eher zurückhaltend diskutiert. Dabei wäre es wichtig, auch die Kompetenz des unternehmerischen Handelns in die Gesamtbetrachtung mit einzubeziehen.

Berufsethos Planer

“Der Planer wirbt durch sein Werk” – das war lange Zeit und ist in der Regel auch heute ein Grundsatz für viele Architekten und Ingenieure. Diese Aussage steht exemplarisch für das Verhältnis von Baukultur auf der einen Seite und verantwortungsbewusster Unternehmensführung auf der anderen Seite. Das Dilemma des Planers als intellektueller Dienstleister ist, dass er als Entwerfer, Konstrukteur, Treuhänder, Moderator, Kommunikator, Forscher und Spezialist dem eigenen unternehmerischen Handeln mit vielen offenen Fragen gegenüber steht und mit Ressentiments konfrontiert wird. Zwischen dem hehren Berufethos des Planers und der profanen Unternehmung Planungsbüro scheint eine vermeintliche Diskrepanz zu herrschen. Warum ist das so? Das Berufsethos der Architekten und Ingenieure ist sowohl an eine individuelle Person als auch an eine kollektive Berufsgemeinschaft gebunden. Die intellektuelle Dienstleistung – oder nach der Definition des “freien Berufs” die “Dienstleistung höherer Art im Interesse aller” – charakterisiert sich durch Professionalität, Gemeinwohlverpflichtung, Selbstkontrolle und Eigenverantwortlichkeit, die gerade in der Schweiz einen hohen Stellenwert einnehmen. Schon immer wurde die Kompetenz und Verantwortung des Planers mit Begriffen wie Baukultur, soziale Verantwortung und Wert in Verbindung gebracht. Neben der definierten Planerleistung spielt in diesem Zusammenhang auch die enge Beziehung des Planers zum Auftraggeber eine wesentliche Rolle, die in allen Quellen der Literatur als treuhänderische bezeichnet wird. Architekten und Ingenieure sind bestens mit Kompetenzen und Verantwortungen im Planungs- und Bauprozess vertraut. Es gilt nun auch, ein unternehmerisches Handeln zu kultivieren, das der Projektkompetenz gleichwertig ist und dem Berufsethos Rechnung trägt.

Unternehmenskultur

Nach gängigen Prozessen heisst unternehmerisches Handeln, die Erwartungen des Auftraggebers durch bedarfsgerechte Leistung zu erfüllen sowie dessen Zufriedenheit sicherzustellen. Dazu kommen eigenverantwortliche bürointerne Kompetenzen in Bezug auf die Führung und die Ressourcen. Eine für Architekten und Ingenieure propagierte erfolgreiche Unternehmenskultur muss – frei nach Max Frischs Feststellung “der Schweizer will begrüsst sein” – bei der Kommunikation und der Rolle des Moderators ansetzen. Dabei zählt nicht nur das Verhältnis zu den am Projekt beteiligten Personen, sondern auch die Baukultur als Referenz selbst. Unternehmensführung kultivieren heisst aber immer auch fairer Wettbewerb, Fach- und Sachkompetenz, klare standesgemässe Strategien, effektive Organisation, finanzielles sowie technisches Wissen, Verantwortung gegenüber den Mitarbeitenden und Kenntnis des Marktes und der relevanten Rahmenbedingungen.

Zertifikatslehrgang

Im Herbstsemester 2010 startet der Zertifikatslehrgang “Unternehmensführung für Architekten und Ingenieure” (CAS-UFAI) der Professur für Architektur und Bauprozess an der ETH Zürich in Zusammenarbeit mit dem SIA. Das CAS will kein weiterer allgemein populärer Managementkurs sein, sondern ein Programm, das die ganzheitliche Führungskompetenz des Planers ins Zentrum stellt und auf dessen Unternehmenskultur fokussiert – immer in Abstimmung mit dem Berufsethos der Architekten und Ingenieure. www.bauprozess.arch.ethz.ch/further/cas

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